Evangelischer Verein Fellbach e.V.

Tipps für die Praxis

|   Ehrenamt

Demenzschulung für Zeitschenker mit Fachberaterin Monika Amann

Die Zeitschenker des Evangelischen Vereins besuchen Menschen, die sich über Unterstützung und Aufmerksamkeit freuen, nicht mehr so fit und manchmal auch demenziell erkrankt sind. Austauschmöglichkeiten und regelmäßige Schulungen sind wichtig für die ehrenamtlichen Zeitschenker, um gemachte Erfahrungen zu verarbeiten. Zum Jahresauftakt bot sich dazu wieder eine Gelegenheit: Monika Amann, Demenzfachberaterin im Landratsamt Rems-Murr-Kreis, war im Rahmen einer Schulung zum Thema „Demenz“ zu Gast.

In offener Atmosphäre näherten sich die sieben Zeitschenkerinnen gemeinsam mit Andrea Schöttgen und Ulrike Weidle, die die Gruppe seitens des Evangelischen Vereins begleiten, dem sensiblen Thema an. Anhand von Rollen- und Situationsbeispielen zeigte Monika Amann (1. Bild, re.) praxisnah auf, wie auf die Belange von demenziell Erkrankten besser eingegangen werden kann, Berührungsängste abgebaut und Hilfestellungen möglich gemacht werden können. Sie erläuterte den theoretischen Hintergrund anschaulich und verständlich und machte nicht zuletzt deutlich, wie wichtig die Berücksichtigung der eigenen Grenzen ist. Nach der Veranstaltung stand sie uns noch für ein paar Fragen zur Verfügung.


Evangelischer Verein: Ist „Demenz“ und „Alzheimer“ das Gleiche, Frau Amann?
Monika Amann: Es wird oft angenommen, dass Demenz und Alzheimer zwei Begriffe für die gleiche Erkrankung sind. Richtig ist aber, dass Demenz der Oberbegriff für verschiedene demenzielle Erkrankungen wie zum Beispiel Alzheimer ist.

Was passiert, wenn jemand dement wird?
In der Regel beginnt die Krankheit mit der Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses und weitet sich im weiteren Verlauf auch auf das Langzeitgedächtnis aus. Die meisten Demenzerkrankungen sind irreversibel, also fortschreitend und nicht heilbar. Die Betroffenen sind in ihrer Lebensführung irgendwann sehr eingeschränkt, daher sind die Zeitschenker ein sehr gutes Angebot für Demenzerkrankte.

Inwiefern?
Für die Betroffenen ist Beziehungspflege sehr wichtig. Sie schenkt ihnen Lebensqualität. Solche Angebote entlasten nicht zuletzt die Angehörigen und auch die Zeitschenker werden mit wunderschönen Erlebnissen belohnt. Denn demenziell erkrankte Menschen haben noch viel zu geben.

Wie gestalten sich der Umgang und die Kommunikation mit an Demenz Erkrankten?
Menschen mit Demenz agieren aus dem Bauch heraus, man muss also auf irrationale Reaktionen gefasst sein. Das darf einen aber nicht dazu verleiten, zu denken, dass die Betroffenen keine Rechte mehr haben und man über ihren Kopf hinweg handeln kann. Sie sind immer noch selbstbestimmt! Habe ich eine Konfliktsituation mit einem Demenzkranken, sollte ich als Gesunde hinterfragen: Warum ist das oder etwas so? Das Ganze nicht abtun, sondern in die Situation gehen. Empört sich die Person über etwas, ist es sehr wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen – also im wahrsten Sinne des Wortes den Augenkontakt zu suchen, das Gefühl des anderen ernst zu nehmen und auch verbal Verständnis für eben dieses zu äußern. Beispielsweise also ‚Ich verstehe, dass Sie empört sind‘. Wichtig ist auch, sein Redetempo dem des Betroffenen anzupassen und zu wiederholen, was der- oder diejenige gesagt hat. So ist es möglich, die Emotionen zu beruhigen.

Über welche Dinge müssen sich die Zeitschenker klar sein?
In konkreten Situationen müssen die Zeitschenker sich bewusst sein, dass für uns Gesunde logisch klingende Erklärungen zu keinem Ergebnis im Gespräch mit der dementen Person führen. Auch wenn äußerlich nichts zu erkennen ist, ist die betroffene Person doch krank. Es muss klar sein, dass nur die Betreuenden, die Gesunden, die Rahmenbedingungen verändern oder neu einstellen können. Der Demenzkranke kann das nicht mehr. Nicht zuletzt müssen die Zeitschenker ihre eigenen Grenzen kennen und – wenn erforderlich – Abgrenzung schaffen, um ihre eigene Gesundheit zu schützen.

Wie können sich die Ehrenamtlichen auf die Begleitung einer demenziell erkrankten Person vorbereiten?
Wichtig ist auf jeden Fall, vorab mit den Angehörigen zu sprechen. Als Zeitschenker sollte man über die Biografie der betreuten Person Bescheid wissen. Das Vertrauen sollte langsam aufgebaut werden – also vielleicht startet man erst einmal mit viertelstündlichen Besuchen, die nach und nach ausgeweitet werden. Auch die Vorbereitung seitens des Evangelischen Vereins, die Einsatzbegleitung durch Frau Schöttgen und Frau Weidle und die regelmäßigen Gesprächsrunden mit den anderen Zeitschenkern sind wichtige Rahmenbedingungen.

Vielen Dank für diese interessanten Einblicke, Frau Amann!

A A A